VEB Plasta-Werke Sonneberg

 Herstellersignet, 1956Der VEB Plasta-Werke Sonneberg war ein Zusammenschluß verschiedener plastverarbeitender Betriebe in Thüringen. Die Zusammensetzung änderte sich im Laufe der Jahre mehrfach. Stammbetrieb war der VEB Plasta Köppelsdorf in Sonneberg, der hauptsächlich technische Teile und Schichtpressstoffe produzierte. Daneben gehörten zum Sortiment auch einige Konsumgüter wie z.B. Happennspieße, Mehlsiebe und Tabletts.

Abriss zur Unternehmensgeschichte des VEB Plasta Köppelsdorf in Sonneberg

1903 wurde der Betrieb „Gebrüder Spindler, Fabrik für lakierte Pappwaren“ gegründet. Die drei Brüder Georg, Max und Rudolf Spindler übernahmen den traditionsreichen Betrieb ihres Vaters, der sich mit der Herstellung von Masken in und über die Spielwarenstadt Sonneberg hinaus einen Namen gemacht hatte, und wendeten dessen Methode, Pappschichten miteinander zu verleimen auf Elektroinstallationsmaterial an.1) Mit ihrer Produktpalette aus Schaltern, Spulenkästen, Abzweigdosen, Schutzgehäusen für Apparate u.ä. erkannten die Brüder frühzeitig die Anwendungsmöglichkeiten von Kunststoffen in der Elektroindustrie. Bevor in den 20iger Jahren eine Bakelitpresserei entstand, fertigten die Gebrüder Spindler mit ihrer Belegschaft das Installationsmaterial aus verleimter mit Lack beschichter Rohpappe. Dazu kamen lackierte Blechgehäuse und Grundplatten für Elektroapparate und Radiogehäuse. Mit dem Umzug des kunststoffverarbeitenden Betriebsteils (die Maskenfabrik verblieb in Sonneberg) nach Köppelsdorf war zugleich eine Betriebserweiterung mit neuen Werksgebäuden verbunden. Der erste Weltkrieg, der für viele Betriebe der Region, insbesondere die Spielwarenindustrie, mit erheblichen Einbrüchen verbunden war, hatte der „Gebr. Spindler KG“ einen weiteren Zuwachs beschert, was sich u.a. in Beschäftigtenzahlen von bis zu 630 Mitarbeitern niederschlug, die der Betrieb 1938, kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs beschäftigte. Auch wenn die Beschäftigtenzahlen kriegbedingt schwangten, profitierte die kunststoffverarbeitende Industrie in Sonneberg von der Nachfrage nach Rundfunkgeräten und Rüstungsgütern für die Luftwaffe während des Krieges - auch aufgrund der über 100 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen.2) Nach Kriegsende lief nach kurzer Pause die Produktion unter Rudolf Spindler wieder an. 1946 erfolgte auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration die entschädigungslose Übertragung des Betriebes an das Land Thüringen. Trotz faktischer Enteignung der Spindler-Brüder blieb der Familienname in der Betriebsbezeichnung zunächst erhalten: „Gebr. Spindler. Landeseigener Betrieb“ 3) Nach weiteren Namensänderungen wurde der Name Spindler 1948 endgültig getilgt und der Betrieb als VEB (Z) Elektroisolierwerk Köppelsdorf, vermittelt über die Vereinigung Volkseigener Betriebe „Plasta“ in Leipzig, dem zentralen Volkswirtschaftsrat der DDR unterstellt. In der Nachkriegszeit wurde mit ca. 300 Beschäftigten an das Produktionssortiment der Vorkriegszeit angeknüpft, wobei der Anteil an Kunststofferzeugnissen nun stetig anwuchs. Während die Blechabteilung zum VEB Feinmechanik und die Fabrikation von Schalt- und Abzweigdosen sowie Pappstanzarbeiten an den VEB Plastawerk Langenhennersdorf übertragen wurden, entstand in Köppelsdorf zusätzlich zur Duroplastverarbeitung 1950 eine Spritzgußabteilung, die in den folgenden Jahren stark ausgebaut werden sollte. Auf die Verarbeitung von Polystyrol folgte 1955 Polyamid und 1959 Polyethylen, das im Gegensatz zu den beiden ersteren ausschließlich für Haushaltsartikel verwendet wurde. 4)  Luftaufnahme des Werkes, 1970er JahreSeit 1952 war der Betrieb ausschließlich plastverarbeitender Betrieb, was auch im Betriebsnamen VEB PLASTA Preßwerk Köppelsdorf seinen Niederschlag fand. Als Betriebskennzeichen diente das Verbandswarenzeichen der Vereinigung Volkseigener Betriebe (Z) PLASTA, ergänzt durch den Zusatz PSW und VEB im Fuß des Warenzeichens. Die Eintragung ins Warenzeichenregister erfolgte 1955. Seit 1957 existierte die Variante ohne die beiden Zusätze VEB und PSW. 5) 1952 wurde dem Betrieb das Schichtpreßstoffwerk Sonneberg, hervorgegangen aus der 1937 gegründeten Firma Solømonit, zugeordnet. Die Beschäftigtenzahl stieg auf über 1000 Mitarbeiter an und das Produktionsprofil wurde um Hartpapierplatten, -rohe und -formteile, ab 1953 um Wärmeschutzplatten und Dekorationsplatten für den Waggon-, Wohnungs- und Möbelbau (Thermodur und Plastapan)erweitert.6) Der Betrieb setzte sich zu diesem Zeitpunkt bereits aus folgenden Bereichen zusammen: der Betriebsabteilung Köppelsdorf (Verwaltung, Duroplaste, Thermoplaste), Betriebsabteilung Blechhammer (Duroplaste), Betriebsabteilung Sonneberg (Schichtpreßstoffe), Betriebsabteilung Oberlind (Werkzeugbau).7) 1956 kann eine neue Werkhalle zur Duroplastherstellung in Betrieb genommen werden, in der 200 Pressen Platz finden. Es folgt in den 60iger Jahren durch den Bau eines Kesselhauses und einer neuen Werkhalle für die Schichtpreßstoffproduktion eine weitere Anlagenerweiterung des Betriebes, die auch in den 70er und 80er Jahren noch fortgesetzt wurde. 8) 1969 erfolgt der Zusammenschluß der Betriebe VEB Plasta Köppelsdorf mit den Betriebsteilen Theuern und Geisa, dem VEB Plastaform Gräfenthal mit den Betriebsteilen Meuselbach, Probstzella und Taubenbach sowie dem VEB Plastunion Triptis mit den Betriebsteilen Auma und Rottenbach zum Kombinat VEB Plasta-Werke Sonneberg.9) Es folgen mehrfache Umstrukturierungen des Kombinates, in deren Folge der VEB Plastunion Triptis ausgegliedert und andere Betriebsteile eingegliedert werden. Mitte der 80er Jahren ist der Betrieb VEB Plasta-Werke Sonneberg wieder volkseigener Betrieb und dem Kombinat Plast- und Elastverarbeitung Berlin unterstellt. 10). Nach dem gesellschaftlichen Umbruch 1989 übernimmt 1990 die Treuhand die „Plasta Sonneberg GmbH“ und seit 1991 wird der Standort durch die Mann+Hummel-Gruppe mit 2011 rund 500 Beschäftigten weiterbetrieben.11)

Technische Ausstattung

Die Ausstattung der Duroplastabteilung ist in ihren Anfängen nicht näher belegt. Mit dem Bau der neuen Werkhalle zur Duroplastproduktion Mitte der 50iger Jahre verfügte Köppelsdorf über 200 Pressen. Die Spritzgußabteilung nahm ihre Produktion 1950 mit zwei Spritzgußmaschinen mit 30g-Schußgewicht auf, es folgten noch im selben Jahr sieben weitere gleichen Typs. 1953 erhielt der Betrieb die erste in der DDR konstruierte Spritzgußmaschine mit 250g-Schußgewicht. Anfang der 60iger Jahre verfügt der Betrieb über 2 halbautomatische 30g-Maschinen, 12 vollautomatische 30g-, 9 60g-, 5 125g und 4 250g-Maschinen 12) Für die 60er bis 80er Jahre ist die Ausstattung des Betriebes mit Spritzgießmaschinen und die Zusammenarbeit mit der Spritzgießmaschinenindustrie erforscht worden. So übernahm der Betrieb in Sonneberg mehrfach die Erprobung neuer Spritzgießmaschinen aus dem VEB Plastmaschinenwerk Freital, Wiehe und VEB WEMA Johanngeorgenstadt. 13) In diesem Zuge konnte Ende der 60er Jahre das Zweifarbspritzen von Telefonwählscheiben erfolgreich realisiert werden. 1989 sind Spritzgießmaschinen aus dem VEB Plastmaschinenwerk Wiehe (9), aus der Werkzeugmaschinenfabrik Johanngeorgenstadt (3), aus dem VEB Plastmaschinenwerk Freital (23), aus dem VEB Plastmaschinenwerk Schwerin (4), von der österreichischen Firma Engel (4) und der Firma Arburg aus der BRD (7) im Betrieb vorhanden. 14)

Materialien und Verfahren

Mitte der 50iger Jahre konnte im Betrieb das sog. ZP-Verfahren (Zentripetal-Verfahren) für die Fertigung von Hartgeweberohren entwickelt werden, das international als Patent angemeldet wurde.15). Im Betrieb kamen das Duroplastpressen, das Duroplastspritzgießen und das Spritzgießen von Thermoplasten inklusive einer eigenen Granulatextrudierung zum Einsatz. Hervorzuheben ist das Verschäumen von PVC zu Gehörschutzmitteln.16)

Sortiment

Zum frühen Sortiment des Betriebes in der Vorkriegszeit gehörten Elektroinstallationsartikel wie Schutzkästen für Hebelschalter, Spulenkästen, Abzweigdosen, Sicherungen, Dichtungsscheiben, lackierte Blechgehäuse für Elektroapparate und Radiogehäuse, Preßartikel aus Bakelit. Mit dem Aufbau der Spritzgußabteilung setzte verstärkt die Produktion von Haushaltwaren ein. Die ersten Spritzgußartikel in Köppelsdorf waren allerdings Kämme und Lippenstifthülsen sowie Spielzeugteile aus Polystyrol. 1953 wurden 27 verschiedene Artikel für die Massenbedarfsgüterproduktion hergestellt, davon 8 aus Polystyrol, 14 aus Phenoplasten und 5 aus Aminoplasten. 17) Aus Polyethylen, mit dessen Verarbeitung 1959 begonnen wurde, wurden u.a. Einkaufstaschen, 2-Liter-Eimer und Gemüsewäscher hergestellt. Aus Polystyrol fertigte man Vorratsbehälter, Wäscheklammern und Eierlöffel, sowie seit 1962 Bowlen- und Happenspieße sowie Mehlsiebe. V.a. letztere gingen in den Export nach Belgien, Holland, Island, die Türkei, Libanon, Sierra Leone, Nigeria und die CSSR. Mit 1,9 Prozent fiel der Export an Plasthaushaltwaren allerdings eher gering aus. 18) Als wesentliche Sortimentsschwerpunkte sollten sich für den VEB Plasta-Werke Sonneberg v.a. folgende etablieren:

  • technische Formteile aus Duroplasten für Elektrotechnik, Maschinenbau, Fahrzeugbau, Schiff- und Waggonbau, Rundfunk und Fernsehen (besonders VEB Sternradio Sonneberg 19) sowie die Fernmeldeindustrie (besonders Fernmeldewerk Nordhausen20))
  • technische Formteile aus den Thermoplasten Polystyrol, Polyamid, Polyethylen für alle Industriezweige, in den 80er Jahren auch aus ABS, SAN, Polypropylen 21), u.a. Gehäuse für Staubsauger, Motorrad- und Autospiegel, Bügeleisengriffe, Kettenschutz, Lautsprechergehäuse und -abdeckung
  • Schichtpreßstoffe
  • Formteile aus Hartgewebe-Tafeln und Hartgewebe-Rohren
  • Haushaltsartikel aus Polystyrol und Polyethylen (2-Liter Eimer mit Deckel, Mehlsiebe mit Messinggewebe in 8 Größen, Kompottgeschirr bestehend aus: Kompottschüssel, Kompotttellern und Kompottschalen, Zierteller, Bowlenspieße, Happenspieße, Wäscheklammern (groß, klein)22), Trichter aus Polyethylen, Zitruspressen, Zuckerspender aus Polystyrol23) und Polyethylen 24), Hydrotöpfe,
  • Bohnerwachsdosen 25)
  • Preß- und Spritzwerkzeuge aller Konstruktionsarten nach Zeichnung bzw. Modell
  • Gehörschutzstopfen aus PVC 26)
1) Ideen - Visionen - Perspektiven. 100 Jahre Kunststoffverarbeitung in Sonneberg, Broschüre zur Unternehmensgeschichte der Firma Mann+Hummel,Sonneberg 2003, S. 8
2) Chronik VEB Köppelsdorf,o.J., LHASA, MER, VVB Plastverarbeitung Halle, Nr. 2052, S.8
3) Chronik VEB Köppelsdorf o.J., S. 13
4) , 12) Chronik VEB Köppelsdorf o.J., S. 27
5) Chronik VEB Köppelsdorf o.J., S. 32
6) Schichtpressstoffe. Katalog des VEB Plasta Köppelsdorf, Sonneberg 1961
7) Chronik VEB Köppelsdorf o.J., S.41
8) Ideen - Visionen - Perspektiven 2003, S.14
9) Ideen - Visionen - Perspektiven. 100 Jahre Kunststoffverarbeitung in Sonneberg, Broschüre zur Unternehmensgeschichte der Firma Mann+Hummel,Sonneberg 2003, S.25 und Fertigungsprogramm der plast- und elastverarbeitenden Industrie, hrsg. von der Erzeugnisgruppenleitstelle der VVB Plast- und Elastverarbeitung, Ausgabe 1971/72, Halle/Saale 1971 S.179-180
10) Fertigungsprogramm der plast- und elastverarbeitenden Betriebe der DDR, hrsg. von der Abteilung Produktionsdurchführung und EG-Arbeit des VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung, Ausgabe 1986, Dresden 1985, S. 103-104
11) „Von Sonneberg in die ganze Welt“, 26.8.2011 in: http://www.wirtschaftsspiegel-thueringen.com/startseite/aktuell-einzelansicht/article/von-sonneberg-in-die-ganze-welt.html?tx_ttnews[backPid]=67&cHash=95a0437f24, Zugriff: 28.12.2011
13) Bock, Dieter: Der Spritzgießmaschinenbau der DDR. Die historische Entwicklung und ihr Umfeld, Chemnitz 2004, S. 183-184.
14) Bock 2004, S. 183
15) Chronik VEB Köppelsdorf o.J., S.40
16) Ideen - Visionen - Perspektiven 2003, S.14 und 25
17) Chronik VEB Köppelsdorf o.J., S. 54
18) Chronik VEB Köppelsdorf o.J., S. 55
19) Stellung, Aufgaben und kurze Charakterisierung der Entwicklung des Industriezweigs Plastverarbeitung, o.J., LHASA, MER, VVB Plastverarbeitung Halle, Nr. 3624, S.39
20) Verzeichnis der plastverarbeitenden Betriebe der Deutschen Demokratischen Republik, Ausgabe 1961, o.O. 1961, S. 16
21) , 24) , 26) Fertigungsprogramm der plast- und elastverarbeitenden Betriebe der DDR, hrsg. von der Abteilung Produktionsdurchführung und EG-Arbeit des VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung, Ausgabe 1986, Dresden 1985, S. 103
22) Fertigungsprogramm der plastverarbeitenden Betriebe der Deutschen Demokratischen Republik, hrsg. v. d. VVB Plastverarbeitung, Ausgabe 1967, Halle 1966, S. 108
23) Fertigungsprogramm der plast- und elastverarbeitenden Betriebe der DDR, hrsg. von der Abteilung Produktionsdurchführung und EG-Arbeit des VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung, Ausgabe 1980/81, Dresden 1979, S. 83
25) Fertigungsprogramm der Betriebe des Industriezweigs Plast- und Elastverarbeitung der DDR, hrsg. von der Erzeugnisgruppenleitstelle der VVB Plast- und Elastverarbeitung, Ausgabe 1971/72, Halle/Saale 1971, S. 180
veb_plasta-werke_sonneberg.txt · Zuletzt geändert: 2012/05/31 16:16 von kboehme
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